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Tonhalle
Kreis 2, Claridenstrasse 7

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Nachdem der heutige
Sechseläutenplatz aufgeschüttet worden war, wurde dort um 1840 von
Alois Negrelli das Kornhaus erbaut, in welches daraufhin der Kornmarkt
verlegt wurde, der bis dahin an der Limmat beim heutigen Stadthaus angesiedelt
gewesen war. Das Kornhaus war eine riesige Markthalle mit rund 36 Eingängen. Als
der Kornmarkt um 1860 in die Gegend des heutigen
Landesmuseums verlegt worden war,
stand das ehemalige Kornhaus ungenutzt da. Zeitweilig war in einem Teil des
Kornhauses eine
Synagoge eingerichtet, in einem anderen ein Fechtlokal für Studenten und eine
Schreinerwerkstatt.
Als um 1867 das Eidgenössische
Musikfest in Zürich stattfand, musste ein grosser Festsaal her, der mindestens
4000 Leute fasste. Sofort rückte das alte Kornhaus in den Fokus der
Veranstalter. Man funktionierte es um in ein Konzerthaus mit dem Gedanken, dass
es auch nach dem Musikfest diese Funktion behalten soll. Die erste Tonhalle war
entstanden. Ihr war ein prächtiger Palmengarten mit Pavillon vorgelagert. Als in diesem
Konzerthaus um 1882 die deutsche Tonkünstlerversammlung stattfand, traten
grosse Komponisten wie Johannes Brahms, Edvard Grieg und Franz Liszt auf. Als in
den 80er-Jahren des 19. Jh. die Quaibrücke, die Uferpromenaden und die
breiten
Strassen am See entlang entstanden und die Stadt einen baulichen und
kulturellen Boom erlebte, waren die Zürcher nicht mehr zufrieden mit dem
ehemaligen Kornhaus als Zentrum des musikalischen Geschehens.
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Um 1887 wurde ein Architekturwettbewerb für eine neue, repräsentative Tonhalle
ausgeschrieben. Dabei wurde der Platz der alten Tonhalle, aber auch je ein
Grundstück am Alpenquai und am General-Guisan-Quai in Betracht gezogen. Es wurde
der Vorschlag gemacht, die neue Tonhalle mit dem Neubau des Stadttheaters zu
vereinen. Die beiden Architekten Chiodera und Tschudi lieferten den Vorschlag
eines monumentalen neobarocken Komplexes, der den gesamten heutigen
Sechseläutenplatz eingenommen hätte. Als das bisherige Stadttheater, das Actientheater an den Unteren Zäunen,
in der Neujahrsnacht 1890 ausbrannte, war die Stadt ganz ohne Bühne
Nun hatte man keine Zeit mehr für
lange Diskussionen über das Wer und Wo. Kurzentschlossen beauftragte die Stadt
die beiden berühmten Wiener Theaterarchitekten
Ferdinand Fellner und Hermann Helmer mit der Planung eines neuen
Stadttheaters. Diese lieferten Baupläne, welche nur wenig von denjenigen des
Hessischen Staatstheaters in
Wiesbaden abwichen, welches ebenfalls von Fellner und Helmer erbaut
worden war. Das Theater und spätere Opernhaus wurde auf der Achse der
Dufourstrasse gleich hinter der alten Tonhalle errichtet und ende September 1891
eröffnet.

Kleiner Saal |

Kleiner Saal |
Jetzt hatte die Stadt zwar wieder ein Theater, jedoch noch immer keine neue
Tonhalle. Die alte stand leer und wurde 1897 demoliert. Um 1893 begann man –
ebenfalls nach Plänen von Fellner und Helmer – mit dem Bau einer neuen Tonhalle
am Alpenquai. 1895 konnte das neue Gebäude seinem Zweck übergeben werden. Bei
der Einweihung war Johannes Brahms dabei. Entstanden war ein phantastischer Bau
mit einer zentralen überkuppelten Rotunde, flankiert von zwei Türmen, einem
prächtigen Portalvorbau und zwei grossen Seitentrakten. Dahinter schlossen sich
der grosse und der kleine Tonhallensaal an. Optisch orientierten sich die beiden
Architekten am ehemaligen Pariser Trocadéro, dem Vorgängerbau des Palais de
Chaillot.
1937 musste der gesamte vordere Teil der Zürcher Tonhalle dem neuen Kongresshaus
weichen, welches zur Landesausstellung von 1939 vollendet sein sollte. Die
prachtvolle Front mit der Rotunde verschwand, die Zürcher Seefront verlor den prägendsten Teil ihres repräsentativen Gesichts. Ein weiterer schmerzhafter
Eingriff in die prächtige Silhouette der Stadt war 1969 der Abriss des Palais
Henneberg etwa 200 Meter weiter Richtung Enge.
Das neue Kongresshaus war damals
ein hochmoderner Bau, der heute nüchtern und nichtssagend erscheint und nur für
Architekturfans und Verständige ehemals zukunftsweisender Bauweise noch
einigermassen interessant sein mag. Die Mehrheit empfindet das Kongresshaus als
kühl, ja hässlich. Glücklicherweise blieb das Herz der Tonhalle unberührt. Der
Trakt mit dem grossen und dem kleinen Konzertsaal wurde stehen gelassen. Heute
gilt vor allem der grosse Saal als einer der besten Konzertsäle der Welt mit
unübertrefflicher Akustik. Hochkarätige Orchester und Solisten von Weltrang
stehen regelmässig auf der Bühne. Auch für Tonträgeraufnahmen wird der
Tonhallesaal wegen seiner phantastischen Klangqualität häufig benutzt.
Franz Lehár war hier beispielsweise
öfter Gast und dirigierte die Premieraufnahmen seiner Werke höchstpersönlich.
Das Tonhalleorchester hat es seit
seiner Gründung 1868 zu einer Formation von Weltrang gebracht.
Zur einmaligen Akustik gesellt sich die prächtige Ausstattung des Tonhallesaals,
welche die klare Handschrift Fellners und Helmers trägt. Das Parkett und die
grossen Galerien bieten insgesamt 1455 Zuschauern Platz. Der kleinere
Tonhallesaal bietet 636 Plätze.
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Die neue Tonhalle um 1900

Alte Aufnahme des grossen Konzertsaals
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